Kapverden

Montag 24.07.2017

 

Flora

 
Azoren Flora

Die Zugvögel und der Mensch begründeten einst den Artenreichtum der Azoren. Sie brachten Samen und Pflanzen auf den Archipel und sorgten für grüne und blühende Landschaften. Der Mensch war es aber auch, der die Natur im Laufe der Jahrhunderte so sehr nach seinen Wünschen „formte“, dass die ursprüngliche Vegetation heute nur noch in wenigen, für den Menschen kaum zugänglichen Nischen existiert. Dort, wo einst dichte Wälder standen, sind heute Weiden für Rinder. Und die für die Azoren typische Hortensie, die in Blau und Rosa überall als Hecke zu finden ist, stammt eigentlich aus Japan.

 

56 endemische Arten

Über drei Viertel der Pflanzen- und Blumenarten wurden auf die Azoren eingeführt – bewusst von den Menschen, eher unbewusst von den Vögeln, die Station auf den Inseln machen. Endemische Gewächse, das heißt, Arten, die nur auf dem Archipel heimisch sind, gibt es 56. Allen voran die Baumheide (Erica azorica) und der azoreanische Lorbeer (Laurus azorica), die einst das Bild der Inseln prägten, sowie eine Art des Gagelstrauchs (Myrica faya) und Wacholder (Juniperus bevifolia). Mit der nicht-endemischen Flora sind es rund 850 Arten an Farnen, Blüten- und Samenpflanzen, die auf dem Archipel gedeihen. Auffallend ist dabei die Vielzahl an Moosen, die in über 400 Arten wachsen und als Zeichen für eine hervorragende Luftqualität gelten.

 

Das Klima kommt der Vielfalt zugute

Verantwortlich dafür, dass die Azoren ein Paradies für Botaniker darstellen, ist das milde und feuchte Klima. Auf den Inseln können sogar Bananen und Tee angebaut werden. Inzwischen gibt es allerdings nur noch zwei Tee-Plantagen. Stattdessen wird vermehrt darauf geachtet, die natürlichen Lebensräume zu wahren. Das belegen die rund 30 Naturschutzgebiete auf den Inseln. Dabei unterscheidet sich die Vegetation in den einzelnen Zonen recht deutlich. In der Küstenzone bis 200 Meter sind vor allem Zwergsträucher, Gräser und Blütenpflanzen zu finden. Ab 200 Metern hat sich Weideland durchgesetzt. In höheren Regionen ist häufig noch der für die Inseln typische Lorbeerwald erhalten geblieben.

 

Eingeführte Pflanzen bereiten Probleme

Probleme ergeben sich vor allem durch die fremden Arten, die erst durch den Menschen und die Vögel auf die Inseln gekommen sind. Die Girlandenblume aus dem Himalaya zum Beispiel lässt anderen Pflanzen keine Chance. Gleiches gilt für die Klebsame aus Australien. Sie schützte einst die Orangenplantagen vor Wind, verdrängte jedoch gleichzeitig die heimischen Arten. Recht intensiv genutzt wird die Sicheltanne, die aus Japan eingeführt wurde. 250.000 Exemplare werden Jahr für Jahr gefällt und kommerziell verwertet. Ginge es nach den Botanikern, wäre übrigens nicht die Hortensie, sondern die auf den Azoren beheimatete Glockenblume (Azorina vidalli) das blühende Aushängeschild des Archipels.