Kapverden

Sonntag 19.11.2017

 

Insel Graciosa

 
Santa Cruz
Azoren Graciosa

Graciosa - die "weiße Insel"

Sie ist die "weiße Insel", die "sanfte Insel" oder einfach nur die "Liebliche". Graciosa hat viele Beinamen, die allesamt den natürlichen Begebenheiten auf der zweitkleinsten Azoren-Insel Rechnung tragen. Weiß steht für das Trachit, ein Vulkangestein, das im Laufe der Jahre verblasst, weiß wird und sich bestens als Baumaterial eignet. Als sanft und lieblich gilt die Insel, weil sie weniger schroff und hügelig, sondern weitgehend flach ist. Zum Vergleich: 70 Prozent der Fläche von São Jorge liegen auf 300 und mehr Metern über dem Meeresspiegel. Auf Graciosa sind es gerade einmal fünf Prozent. Ideal für alle, die sich beim Wandern oder Radfahren nicht verausgaben, sondern einfach nur die Natur des UNESCO-Biosphärenreservats genießen möchten.

 

Caldeira da Graciosa

Zwei Attraktionen der Insel sollten sich Urlauber bei ihren Touren nicht entgehen lassen: die Caldeira da Graciosa und die Furna do Enxofre. Die Caldeira ist ein etwa 1.600 mal 800 Meter großer und 270 Meter tiefer Kraterkessel. Ins Innere gelangt man durch einen Tunnel. Oder man nutzt die Gelegenheit für einen Aufstieg zur Höhle "Furna da Maria Encantada", von wo aus sich ein imposanter Ausblick auf die üppige Vegetation bietet. Hier wurden unter anderem Akazien und japanische Sicheltannen gepflanzt. Hinzu kommen Weideflächen.

 
Graciosa Azoren

Furna do Enxofre

Im Kraterkessel selbst gibt es neben der Flora auch eine geologische Besonderheit zu bewundern, die Vulkangrotte Furna do Enxofre. Sie ist über einen Turm bzw. einen Treppenschacht mit 184 Stufen zu erreichen, die direkt in die Tiefe führen. Das Gewölbe ist fast vierzig Meter hoch. Kein Wunder also, dass die Grotte als "Kathedrale der azorischen Vulkane" umschrieben wird. Der See in der Furna do Enxofre diente den Bauern früher als Wasserspender für das Vieh. Einst war er 15 Meter tief, hatte einen Durchmesser von 150 Metern und stand ein Boot parat, mit dem man über den See paddeln konnte. Heute ist der See kleiner und liegt das Boot regungslos am Ufer. Besucher der Grotte sollten sich darauf einstellen, dass sie ihrem Namen alle Ehre macht und ein typischer Schwefelgeruch in der Luft liegt. Wer sich mit einem einheimischen Führer in die Grotte und die Höhlen der Caldeira wagt, bekommt übrigens deutlich mehr sehen, als Urlauber, die sich auf eigene Faust auf den Weg machen.

 
Windmühle an der Serra da Fontes
Azoren Graciosa Windmühle

Windmühlen

Flacher als der Südosten mit der Caleira ist der Norden. Hier wird auch Wein angebaut. Die Trennlinie von Nord nach Süd bilden die Höhenzüge Serra Branca, Serra Dormida und Serra das Fontes. Von Bergen oder einer Bergkette zu sprechen, wäre übertrieben. Es sind Hügel und ideale Wandergebiete. An der Serra da Fontes, die noch vergleichsweise dicht bewachsen ist, stehen inzwischen sogar einige Windräder. Sie sind Teil eines Projektes, bei dem die ausschließliche Nutzung erneuerbarer Energien auf Graciosa untersucht wird. Inseltypisch sind allerdings eher die Windmühlen. Viele wurden in der Vergangenheit hergerichtet und drehen sich jetzt wieder im Wind.

 
Santa Cruz de Graciosa Azoren

Das Inselmuseum

Einen Einblick in die Geschichte der Insel erhält man im Museu da Graciosa. Es befindet sich im Hauptort, Santa Cruz da Graciosa, und teilt sich auf mehrere Gebäude respektive Abteilungen auf. Zu sehen gibt es unter anderem frühere Belege und Dokumente zum Weinbau, traditionelle Geräte und Gebrauchsgegenstände sowie Gehstöcke und alles rund um den Walfang inklusive eines Bootes. Abgerundet wird die Ausstellung mit über 2.500 Objekten durch Münzen, Fotos und alte Zeitungen.

 
Azoren Graciosa

Die Kirchen in Santa Cruz da Graciosa

Kulturgeschichtlich interessant sind darüber hinaus die beiden Kirchen im Hauptort, die Igreja do Misericórdia aus dem 16. und die Igreja Matriz de Santa Cruz aus dem 15. Jahrhundert. Die Christusfigur Santo Cristo dos Milagres aus der Igreja do Misericórdia wird während der zweiten Augustwoche in eine Prozession durch die Straßen getragen. Es ist das größte Fest der Insel. In der Igreja Matriz de Santa Cruz stechen vor allem die Tafelbilder des geschnitzten Hauptaltars hervor. Dabei handelt es sich Renaissancemalereien, die als die wertvollsten der Azoren gelten.

 

Sehenswertes und Leckeres

Als weitere Ziele, die einen Absteche wert sind, bieten sich auf Graciosa der Picknickplatz Barro Vermehol, der Ort Guadalupe, der Leuchtturm an der Ponta da Barca, die geschützte Bucht Porto Afonso, Praia mit der Pfarrkirche, die dem Heiligen Matthäus geweiht ist, und dem Vogelreservat sowie Luz an. Da eine solche Tour übe die Insel Hunger macht, kann man sich fast überall mit der Inselspezialität Queijadas da Graciosa stärken, ein sehr süßer Kuchen. Wer es eher deftig mag, für den werden Eintöpfe mit Fleisch angeboten, Leckeres vom Grill und dazu der sehr gute Weißwein der Insel.